„Beim Joggen stolpert mein Herz manchmal.“ Oder: „Wenn ich mich richtig anstrenge, fängt mein Herz plötzlich an zu rasen.“
Solche Beschwerden höre ich häufig. Und die gute Nachricht zuerst: In vielen Fällen steckt nichts Beunruhigendes dahinter. Gerade einzelne Extraschläge – sogenannte Extrasystolen – kommen auch bei völlig gesunden Herzen vor.
Trotzdem gilt: Wenn Herzstolpern oder Herzrasen beim Sport auftritt, sollte man einmal genauer hinschauen.
Nicht, weil Herzklopfen beim Sport automatisch gefährlich ist. Sondern weil sich allein danach, wie es sich anfühlt, nicht sicher sagen lässt, was das Herz in diesem Moment tatsächlich macht.
Der eine beschreibt einen kurzen „Aussetzer“, die andere einen kräftigen Schlag, ein Flattern oder plötzliches Herzrasen. All das wird unter Begriffen wie Herzstolpern, Herzklopfen oder Palpitationen zusammengefasst.
Sehr häufig stecken Extrasystolen dahinter. Das sind zusätzliche Herzschläge, die auch bei herzgesunden Menschen vorkommen. Stress, wenig Schlaf, Alkohol oder viel Koffein können sie zusätzlich begünstigen.
Es können aber auch andere Veränderungen des Herzrhythmus hinter den Beschwerden stecken. Deshalb ist es sinnvoll, nicht zu raten, sondern den Herzrhythmus möglichst einmal während der Beschwerden aufzuzeichnen.
Für die Einordnung ist wichtig, was mit dem Herzrhythmus passiert, wenn die Belastung steigt. Verschwinden Auffälligkeiten beim Sport? Bleiben sie gleich? Oder treten sie gerade dann auf oder werden häufiger?
Das liefert wichtige Hinweise. Vor allem wenn Herzstolpern oder Herzrasen erst bei stärkerer Belastung auftritt oder dabei deutlich zunimmt, sollte man genauer hinschauen und herausfinden, was tatsächlich passiert.
Ein Ruhe-EKG und ein Herzultraschall gehören zur ersten Untersuchung. Dabei geht es nicht nur um den Herzrhythmus: Für die Einordnung spielt auch eine wichtige Rolle, ob das Herz ansonsten gesund ist oder ob eine Herzerkrankung vorliegt.
Wenn die Beschwerden beim Sport auftreten, ist außerdem ein Belastungs-EKG besonders hilfreich. Hier lässt sich beobachten, wie sich der Herzrhythmus bei zunehmender Belastung verhält.
Nicht immer treten die Beschwerden genau während dieser Untersuchung auf. Dann kann ein Langzeit-EKG sinnvoll sein. Idealerweise wird während der Aufzeichnung genau die Sportart ausgeübt, bei der das Herzstolpern normalerweise auftritt. So lässt sich später vergleichen: Was wurde gespürt – und was hat das Herz gleichzeitig gemacht?
Wenn zum Herzstolpern oder Herzrasen Schwindel, Ohnmacht, Brustschmerzen oder eine ungewöhnlich starke Luftnot kommen, sollte das zeitnah abgeklärt werden. Das gilt auch, wenn es in der Familie ungeklärte plötzliche Todesfälle in jungen Jahren gegeben hat.
Herzstolpern beim Sport sollte man nicht ignorieren – aber auch nicht gleich das Schlimmste vermuten. In vielen Fällen steckt eine harmlose Ursache dahinter.
Wer beim Sport Herzstolpern oder Herzrasen bemerkt, sollte einmal klären lassen, welcher Herzrhythmus dahintersteckt und ob das Herz ansonsten gesund ist.
Zum Glück kann nach der Abklärung in den meisten Fällen Entwarnung gegeben werden – und dann heißt es wieder: Auf die Plätze, fertig, los!
Dr. med. Ines Dauk
Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Sportmedizinerin