Herzinfarkt in der Familie? Lipoprotein(a) erhöht – was Sie jetzt über Ihr persönliches Herzrisiko wissen sollten

Bei Ihnen wurde ein erhöhtes Lipoprotein(a), kurz Lp(a), festgestellt?

Vielleicht war der Wert Teil einer ausführlicheren Blutuntersuchung. Vielleicht wurde er bestimmt, weil es in Ihrer Familie Herzinfarkte oder Schlaganfälle gab. Und möglicherweise haben Sie anschließend gehört: Der Wert ist erblich bedingt und lässt sich durch Ernährung oder Sport kaum senken.

Dann stellt sich eine ziemlich naheliegende Frage:

Was bringt mir dieses Wissen überhaupt, wenn ich an dem Wert nichts ändern kann?

Eine ganze Menge. Denn ein erhöhtes Lp(a) ist nicht einfach ein weiterer Laborwert, den es möglichst weit zu senken gilt. Er ist eine zusätzliche Information über Ihr persönliches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Mein Lp(a) ist erhöht – und jetzt?

Ein erhöhter Lp(a)-Wert bedeutet nicht, dass ein Herzinfarkt oder Schlaganfall vorprogrammiert ist. Entscheidend ist vielmehr, wie dieser zusätzliche Risikofaktor in Ihr persönliches Gesamtbild passt.

Wie ist Ihr Blutdruck? Rauchen Sie? Besteht ein Diabetes? Wie hoch sind Ihre Cholesterinwerte? Gibt es bereits Veränderungen an den Gefäßen oder eine bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung? Und gibt es in Ihrer Familie Menschen, die ungewöhnlich früh einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben?

 

Erst zusammen mit diesen Faktoren lässt sich ein erhöhter Lp(a)-Wert in Ihr persönliches Herz-Kreislauf-Risiko einordnen.

Wenn ich Lp(a) nicht senken kann – was kann ich dann tun?

Genau hier liegt der entscheidende Punkt.

Wenn wir einen Risikofaktor kennen, den wir selbst kaum verändern können, werden die Faktoren umso wichtiger, die wir sehr wohl beeinflussen können.

Dazu gehört zum Beispiel der Blutdruck. Auch Rauchen, Bewegung, Diabetes und die übrigen Blutfette spielen eine Rolle. Besonders wichtig ist das LDL-Cholesterin – vereinfacht gesagt der Anteil des Cholesterins, der die Entstehung von Ablagerungen in den Arterien begünstigt.

Wie niedrig dieser Wert sein sollte, ist nicht für jeden Menschen gleich. Die sinnvollen Zielwerte richten sich danach, wie hoch das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko ist.

Bei einem erhöhten Lp(a) geht es deshalb nicht darum, einer einzelnen Zahl auf dem Laborzettel hinterherzujagen. Es geht darum, herauszufinden, an welchen anderen Stellschrauben sich das persönliche Risiko wirksam reduzieren lässt.

Gibt es bereits Medikamente gegen erhöhtes Lp(a)?

Noch gibt es keine etablierte medikamentöse Behandlung, die gezielt zur Senkung eines erhöhten Lp(a) eingesetzt wird.

An neuen Medikamenten wird intensiv geforscht. Einige dieser Wirkstoffe können Lp(a) sehr deutlich senken. Ob eine solche Senkung aber tatsächlich Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Ereignisse verhindert, ist bislang nicht ausreichend belegt.

Bis wir darüber mehr wissen, bleibt besonders wichtig, das persönliche Gesamtrisiko zu kennen und die beeinflussbaren Risikofaktoren konsequent anzugehen.

 

Was Sie mitnehmen können

Ein erhöhter Lp(a)-Wert ist kein Grund zur Panik. Er sollte aber auch nicht mit einem Schulterzucken abgetan werden, nur weil wir ihn derzeit kaum beeinflussen können.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Wie bekomme ich mein Lp(a) herunter?“

Sondern:

„Was bedeutet dieser Wert für mein persönliches Herz-Kreislauf-Risiko – und was kann ich tun, um dieses Risiko zu senken?“

 

Lp(a) können wir derzeit kaum verändern – Ihr persönliches Herz-Kreislauf-Risiko aber sehr wohl.

Lp(a) erhöht – was jetzt?

1. Das persönliche Gesamtrisiko einordnen.
Ein erhöhter Lp(a)-Wert ist nur ein Teil Ihres individuellen Herz-Kreislauf-Risikos.

2. Beeinflussbare Risikofaktoren konsequent angehen.
Dazu gehören insbesondere Blutdruck, LDL-Cholesterin, Rauchen, Diabetes und Bewegung.

3. Nicht den Laborwert, sondern das Risiko behandeln.
Welche Maßnahmen sinnvoll sind und wie konsequent einzelne Risikofaktoren behandelt werden sollten, hängt von Ihrem persönlichen Risikoprofil ab.

Dr. med. Ines Dauk
Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Sportmedizinerin